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KI und Schule
Künstliche Intelligenz verändert nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch die Voraussetzungen, unter denen Menschen auf Arbeit vorbereitet werden. Die Projektgruppe KI und Schule fragt: Welche Fähigkeiten braucht der Mensch im Umgang mit KI — und bildet Schule sie aus? Die Antwort führt tiefer als erwartet: nicht zu Medienkompetenz und Prompt-Training, sondern zur Frage, was Bildung im Kern leisten muss, damit Menschen urteilsfähig bleiben.
Working Papers der Projektgruppe:
- „Arbeiten mit KI — Ein Stück in vier Akten” (PDF, 292 KB)
- „Gurkenjournalismus” (Axel Klopprogge, Freie Medienakademie, 11.03.2026)
- „KI an der Schule — Was sich nicht ändert und doch alles verschiebt” (PDF, 498 KB)
KI kann heute nicht nur innerhalb etablierter Denk- und Wissensmodelle arbeiten — analysieren, interpretieren, strukturieren —, sondern auch zwischen ihnen navigieren: Modelle vergleichen, Prämissen offenlegen, Spannungen identifizieren. Damit wird eine Fähigkeit delegierbar, die bisher als Kernkompetenz gut ausgebildeter Menschen galt.
Was bleibt? Die Projektgruppe unterscheidet zwischen Interpretieren und Meinen. Interpretieren ist eine technische Fähigkeit — trainierbar, formalisierbar, delegierbar. Meinen geht darüber hinaus: Wer etwas meint, verbindet eine Erkenntnis mit eigener Welterfahrung, mit einem persönlichen Erkenntnisinteresse, mit Haltung. KI kann Fausts Pakt aus jeder Perspektive interpretieren. Was sie nicht kann: ihn meinen.
Daraus ergibt sich ein Paradox für die Bildung. Theoretisches Wissen vermittelt die Erfahrung, dass es Kontinente gibt, die man vorher nicht sehen konnte — die Zuversicht, sich denkend ins Unbekannte vorzuwagen. KI kann diesen Kontinent zeigen, schneller und oft besser als jeder Lehrer. Aber indem sie es tut, verhindert sie genau die Erfahrung des eigenen Findens. Das Werkzeug, das am meisten helfen könnte, verhindert am zuverlässigsten die Erfahrung, die es zu machen gilt.
Die Konsequenz ist keine Revolution des Bildungssystems, sondern eine Akzentverschiebung innerhalb bestehender Fächer. Drei Prinzipien stehen im Zentrum: Erstens, Modelle sichtbar machen — im bestehenden Unterricht den Moment einbauen, in dem das Modell selbst zum Gegenstand wird. Zweitens, Modelle vergleichen und bewerten — strukturierte Urteilskraft trainieren. Drittens, KI bewusst zeitversetzt einsetzen — erst der eigene Versuch, dann das maschinelle Gegenangebot.
Dabei ist das Problem nicht neu. Auch vor KI gab es „KI-Verhalten": unkritisches Übernehmen, Mainstream-Reproduktion, Schreibtisch-Journalismus. KI verschärft ein bestehendes Bildungsproblem, sie erzeugt es nicht. Kritikfähigkeit ist kein Bildungsinhalt, sondern ein Reibungsprodukt — sie entsteht nicht durch Einsicht, sondern durch die Erfahrung des Scheiterns und Zweifelns an Systemen, die vermeintlich funktionieren.
Die Projektgruppe arbeitet auf zwei Ebenen: Eine Theorie-Gruppe hat die hier skizzierten Ergebnisse in mehreren Working Papers erarbeitet, die selbst in Ko-Kreation mit KI entstanden sind. Eine Praxis-Gruppe bereitet die Erprobung im Schulalltag vor — in Zusammenarbeit mit Schule im Aufbruch und Teachers for Future, unter anderem durch einen FREI Day Pilot an ausgewählten Schulen.
Ansprechpartner

Dr. Eberhard Jakobi
eberhard.jakobi@goinger-kreis.de
„Die Gedanken dieses Projekts haben sich selbst in einem Gespräch mit KI entwickelt. Dass sie über die erstbeste plausible Antwort hinausgegangen sind, lag nicht an der KI — sondern an der Haltung, sich mit ihr nicht zufriedenzugeben. Genau das ist es, was Schule fördern kann.”