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Geschwindigkeitsmessung

Stimmt es eigentlich, dass sich die Welt immer schneller bewegt? Ein Projekt zum Wandel im biografischen Kontext beantwortet diese Frage.

Nebeneinander eine alte Logomotive und ein ICE

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Der Satz vom sich beschleunigenden Wandel gehört zum Standard-Repertoire in Büchern, Reden und Diskussionen: Früher habe sich die Welt linear entwickelt, heute mit exponentieller Geschwindigkeit. Man könne keine Strategien mehr machen, sondern nur noch auf Sicht segeln. Die geschichtliche Entwicklung von Industrie, Arbeit oder Führung wird in Phasen 1.0, 2.0, 3.0 usw. eingeteilt, wobei die Phasen zur Gegenwart hin immer kürzer werden. Schnelligkeit und rasante Anpassungsfähigkeit seien zum Erfolgsautor Nummer Eins geworden. Wer dieses Narrativ hinterfragt, gilt leicht selbst als ewig gestrig, als jemand, der die Beschleunigung verschlafen hat.

Wenn die Erzählung der unerhörten Beschleunigung zutrifft, wann wären die Auswirkungen auf vielen Feldern erheblich. Nehmen wir nur die Frage der Arbeit Älterer, die aufgrund der demografischen Entwicklung immer wichtiger wird: Was bedeutet es, wenn zu der generellen Frage, ob und wie lange Menschen ihre angestammte Tätigkeit ausüben können, noch eine weitere Herausforderung hinzukommt, nämlich dass es die angestammte Tätigkeit nicht mehr gibt oder dass diese einer tiefgreifenden und schnellen Veränderung unterliegt?

Wie kann man denn die Geschwindigkeit oder die Relevanz von Veränderungen messen? Ist es eine Frage des subjektiven (oder intersubjektiven) Empfindens? Oder kann man es objektiv messen? Welche Rolle auch immer objektive Kriterien spielen können, das subjektive Erleben (Gestalten, Anpassen, Bewältigen oder Nicht-Bewältigen) kann nicht wegargumentiert werden. Was für Menschen schnell oder zu schnell ist, kann nicht beantwortet werden, ohne das Erleben der Menschen einzubeziehen.

In einem mehrjährigen Forschungsprojekt zum „Wandel im biografischen Kontext" in Kooperation des Goinger Kreises mit der Leuphana Universität Lüneburg untersuchen wir die verschiedenen Blickwinkel. Wir untersuchen, welche Rolle Umbrüche und Veränderungen im Leben von Menschen gespielt haben. Wir analysieren, ob unsere Lebensumwelt wirklich so neu ist, wie immer behauptet wird. Und wir betrachten, wie viel Zeit erfolgreiche Innovationsprozesse und Transformationen brauchen.


Ansprechpartner

Dr. Axel Klopprogge

Dr. Axel Klopprogge
axel.klopprogge@goinger-kreis.de